Über uns
37 Jahre Felsenkeller – eine Geschichte von Wein, Menschen, Mut und Neuanfang.
Wie alles begann – vom Eisenbahnstollen zum Felsenkeller
Der Start im Jahre 1989
Am 1. Januar 1989 begann für mich ein neuer Lebensabschnitt. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Robin Budowski und einem Investor gründeten wir die Weinhandlung Felsenkeller in Baar. Robin und ich übernahmen von Beginn weg die Geschäftsführung – verbunden mit der Möglichkeit, das Unternehmen später selbst zu übernehmen. Unser Firmensitz befand sich an der Ägeristrasse 31 in Baar, in den Räumlichkeiten der ehemaligen Getränkehandlung Dovins Felsenkeller. Dort waren unsere Büros,
das Weinlager und ein Ort untergebracht, der dem Unternehmen später seinen
Namen geben sollte: der berühmte Felsenkeller. Dieser rund 50 Meter lange Stollen blickt auf eine aussergewöhnliche Geschichte zurück. Im 19. Jahrhundert war er Teil eines ambitionierten Eisenbahnprojekts. Eine private Nord-/Südbahn sollte Zug direkt mit Zürich verbinden. Das Projekt stand damals in Konkurrenz zu anderen Bahnplänen in der Region, unter anderem zu jener Linienführung, aus der später die Sihltalbahn entstand. Wie viele private Bahnprojekte jener Zeit scheiterte auch dieses Vorhaben. Während der Bauarbeiten gingen den Investoren die finanziellen Mittel aus. Der geplante Tunnel wurde nie vollendet. Zurück blieb der Sondierstollen – ein stiller Zeuge einer längst vergangenen Eisenbahneuphorie. Mehr als hundert Jahre später erhielt dieser Stollen eine neue Bestimmung. Wir richteten darin rund 100 private Weinfächer mit Platz für jeweils etwa 300 Flaschen ein. Die natürlichen Bedingungen im Fels – eine konstante Temperatur und ideale Luftfeuchtigkeit – boten perfekte Voraussetzungen für die Reifung hochwertiger
Weine. Unsere Kundinnen und Kunden konnten rund um die Uhr auf ihre persönlichen Weinfächer zugreifen. So wurde aus einem gescheiterten Eisenbahnprojekt ein einzigartiger Weinkeller und schliesslich der Namensgeber unserer Weinhandlung: der Felsenkeller.
Die Vinothek am Kolinplatz und eine klare Vision
Am 1. September 1989 eröffneten wir am Kolinplatz 8 in Zug unsere Vinothek. Sie war das Schaufenster des Felsenkellers und wurde rasch zu einem Treffpunkt für Weinliebhaberinnen und Weinliebhaber.
Die Ausgangslage war allerdings alles andere als einfach. Bereits damals gab es in der Schweiz rund 2'000 Weinhandlungen. Auf ein neues Unternehmen wartete niemand. Gleichzeitig waren Weine aus Übersee – insbesondere aus Kalifornien, Südafrika, Australien und später Argentinien – stark im Aufwind.
Wir entschieden uns bewusst für einen anderen Weg. Von Anfang an konzentrierten wir
uns auf europäische Weinregionen, insbesondere Frankreich. Dabei spezialisierten wir uns früh auf Gebiete, die damals in der Schweiz noch kaum bekannt waren: Südfrankreich und Südwestfrankreich. Appellationen wie Minervois, Faugéres, St. Chinian, La Clape, Gaillac, Collioure, Banyuls, Madiran, Cahors, Jurançon, Irouléguy, Buzet, Fronton, Côtes de Duras u.v.a. standen im Mittelpunkt unseres Sortiments. Wir waren die erste Weinhandlung in der Schweiz, die diese Weine konsequent aufbaute und bekannt machte.
Ein besonderer Meilenstein war die Zusammenarbeit mit Alain Brumont, dem Besitzer der Châteaux Montus und Bouscassé. Seine Weine sorgten weltweit für Aufsehen. In Blindverkostungen schlugen sie wiederholt berühmte Bordeaux-Weine und machten Brumont international bekannt – als Rebellen, Visionär und Erneuerer des französischen Weinbaus.
Diese Entwicklung brachte auch den Felsenkeller ins Rampenlicht. Die Fachpresse berichtete über die Weine, Schweizer Weinliebhaber entdeckten neue Regionen, und renommierte Restaurants nahmen insbesondere die Weine von Alain Brumont und Weine aus Cahors auf ihre Karten.
Aus einer kleinen regionalen Weinhandlung entwickelte sich Schritt für Schritt ein Unternehmen mit schweizweiter Ausstrahlung. Wir belieferten nicht nur Privatkunden in Zug, sondern auch schweizweit, aber auch Fachhändler und Gastronomiebetriebe in der ganzen Schweiz. Der Weg war jedoch nicht einfach. Damals waren Weinimporte durch Kontingente geregelt, um den Schweizer Weinbau zu schützen. Für ein junges Unternehmen bedeutete dies zusätzliche Herausforderungen. Doch gerade diese Hindernisse verlangten Kreativität, Ausdauer und den Mut, neue Wege zu gehen.
Wachstum und die Übernahme der Perrenoud SA
1991 folgte ein weiterer wichtiger Schritt. Robin Budowski und ich übernahmen je
25,5 Prozent der Aktien des Felsenkellers und wurden damit Mehrheitsaktionäre. Gleichzeitig bot sich eine besondere Gelegenheit: Mit Unterstützung unserer Banken konnten wir die traditionsreiche Weinhandlung Perrenoud SA in Môtiers im Val-de-Travers NE übernehmen.
Diese Übernahme war für unsere Entwicklung entscheidend. Die Perrenoud SA verfügte über bedeutende Importkontingente – ein grosser Vorteil in einer Zeit, in der Weinimporte stark reguliert waren. In Môtiers importierten wir zahlreiche Weine aus Frankreich in Flaschen, aber auch offen und füllten sie vor Ort ab. Die Perrenoud SA entwickelte sich zu einem wichtigen Partner für den Schweizer Weinhandel. Wir belieferten mehrere hundert Weinhandlungen und Fachgeschäfte sowie Grossverteiler wie Manor, Pick Pay, Aligro, Coop etc..
Die Aufgaben waren klar verteilt: Robin Budowski führte die Perrenoud SA in Môtiers und wurde dort ansässig. Ich konzentrierte mich auf den Felsenkeller in Baar und Zug. Aus einer Weinhandlung war inzwischen eine Unternehmensgruppe geworden – mit eigener Importstruktur, eigenen Kundenbeziehungen und einer klaren Positionierung im Schweizer Weinmarkt.
Das Weinrestaurant Felsenkeller – ein Ort der Begegnung
Am 1. September 1999 eröffneten wir nach kurzen Umbauarbeiten am Kolinplatz 8 das Weinrestaurant Felsenkeller.
Unsere Idee war, Weinhandel und Gastronomie miteinander zu verbinden. Die Gäste sollten nicht nur Wein kaufen, sondern Wein erleben können – bei einem guten Essen, in angenehmer Atmosphäre und mit persönlicher Beratung. Für die Küche konnten wir Stefan Meier vom traditionsreichen Gasthaus Rathauskeller gewinnen. Während er unsere Gäste kulinarisch verwöhnte, kümmerten wir uns um die Weine und um die persönliche Betreuung.
Das Restaurant wurde rasch zu einem beliebten Treffpunkt. Viele Gäste kamen wegen eines bestimmten Weins, eines guten Essens oder einer Empfehlung – und wurden über die Jahre zu Freunden und Stammkunden. Der Felsenkeller war nie einfach nur ein Geschäft. Er war ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der gemeinsamen Freude am Genuss. Nach 11 Jahren Zusammenarbeit mit dem Gasthaus Rathauskeller wurden das Gourmetrestaurant Aklin und das italienische Ristorante Fischmärt unsere kulinarischen Partner.
Schwierige Entscheidungen und die Rückkehr zum eigenen Unternehmen
Um das Jahr 2000 verliess Robin Budowski die gemeinsamen Firmen. Ich übernahm seine Aktienanteile und wurde damit erstmals Mehrheitsaktionär des Felsenkellers und der Perrenoud SA.
Einige Jahre später führten private Rückschläge dazu, dass ich die Unternehmen verkaufen musste. Für mich war dies ein schwieriger Schritt, denn der Felsenkeller war über viele Jahre nicht nur mein Beruf, sondern ein wesentlicher Teil meines Lebens geworden.
Ich blieb jedoch Geschäftsführer der Weinhandlungen. Mit dem Käufer vereinbarte ich eine Lösung, die mir über Gewinnbeteiligungen die Möglichkeit geben sollte, die Firmen innerhalb von zwölf Jahren zurückzukaufen.
Doch es kam anders. Der Käufer verstarb kurze Zeit später. Die Erbengemeinschaft wollte die Weinunternehmen veräussern und beauftragte mich, einen Käufer aus der Branche zu finden.
Im Jahr 2006 konnte eine Lösung gefunden werden. Die Perrenoud SA passte sehr gut in das Portfolio des Käufers, während der Felsenkeller mit seiner Ausrichtung auf Privatkunden und Gastronomie eine andere Struktur hatte.
Wir fanden deshalb eine besondere Lösung: Der Käufer ermöglichte mir, den Felsenkeller innerhalb von vier Jahren zurückzukaufen. Im Gegenzug unterstützte ich ihn bei der Übernahme wichtiger Weinexklusivitäten des Felsenkellers und der Perrenoud SA und half mit meinem Netzwerk, die erfahrenen Mitarbeitenden, insbesondere die Weinberater vom Aussendienst, im Unternehmen zu halten und Weinhändler-Kunden ins "neue" Boot zu nehmen. Ab 2006 war ich erstmals alleiniger Inhaber der Felsenkeller AG.
Erfolgreiche Jahre und persönliche Höhepunkte
Die folgenden Jahre waren geprägt von vielen schönen Begegnungen und Erfolgen. Der Weinhandel entwickelte sich positiv, das Restaurant wurde geschätzt, und wir konnten zahlreiche Kundinnen und Kunden über Jahre begleiten. 2009 stellte ich meine spätere Frau als Geschäftsführerin des Weinrestaurants an. 2010 konnte ich die letzte Tranche für den Rückkauf des gesamten Aktienpakets bezahlen. Der Felsenkeller gehörte vollständig mir. 2011 heirateten wir und wurden Eltern von zwei wunderbaren Töchtern.
Es waren Jahre voller Freude, Familie, Wein und spannender Begegnungen. Im Rückblick waren es vielleicht die ruhigeren Jahre vor einem grossen Sturm.
Die Sturmjahre ab 2020
Nach vielen erfolgreichen Jahren begann 2020 eine Zeit grosser Veränderungen.
Zwei einschneidende Ereignisse trafen mich praktisch gleichzeitig: Einerseits trennten sich meine Frau und ich privat und geschäftlich. Andererseits stellte die Corona-Pandemie mit ihren Lockdowns, Schutzmassnahmen und den Folgen für die Gastronomie die gesamte Branche vor enorme Herausforderungen.
Gerade ein Betrieb wie der Felsenkeller lebte von Begegnungen, Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen. Nach der Pandemie veränderte sich das Verhalten vieler Gäste deutlich. Menschen besuchten Restaurants weniger häufig, blieben kürzer und konsumierten weniger Alkohol. Zusätzlich veränderte sich das Umfeld am Kolinplatz. Über die Jahre verschwanden wichtige Frequenzbringer und Treffpunkte. Traditionsbetriebe und Behörden wie Metzgerei Aklin, das Stadthaus (inkl. Standesamt), der Zytclub, Beldona, der Polizeiposten und auch das japanische Restaurant Asahi prägten früher das Umfeld mit.
Diese Veränderungen wirkten sich negativ auf die Besucherfrequenz aus.
Im Restaurantbereich hinterliess meine ehemalige Geschäftspartnerin grosse Fussstapfen, die nur schwer zu füllen waren. Verschiedene personelle Wechsel folgten, und nicht jede Entscheidung erwies sich im Nachhinein als glücklich.
Trotzdem kämpfte ich weiter. Wir hielten den Betrieb aufrecht, bezahlten unsere Mitarbeitenden pünktlich und erfüllten unsere Verpflichtungen. Das Corona-Darlehen von 100'000 Franken hatten wir bis Ende März 2026 zu 75 Prozent termingerecht zurückbezahlt.
Der unerwartete Einschnitt
Mein Ziel war nicht die Aufgabe des Unternehmens, sondern dessen Sanierung und Weiterführung. Deshalb stellte ich am 1. April 2026 um 16.00h beim Kantonsgericht Zug ein Gesuch um Nachlassstundung.
Ein Investor stand bereit, und es bestand eine konkrete Möglichkeit, den Felsenkeller weiterzuführen und neu auszurichten.
Mir ist wichtig festzuhalten: Bis zur Eröffnung des Konkurses lagen keine Betreibungen und keine Zahlungsbefehle gegen die Felsenkeller AG vor. Die Löhne der Mitarbeitenden waren bezahlt, und der Antrag auf Nachlassstundung war als Sanierungsmassnahme gedacht – nicht als Verzögerung eines unausweichlichen Endes.
Die weitere Entwicklung verlief anders als erhofft und erwartet. Das Kantonsgericht Zug lehnte das Gesuch innert weniger Stunden bereits am folgenden Tag, 2. April um 08.30h ab und eröffnete den Konkurs per sofort. Die zuständige Richterin war ab dann ferienhalber abwesend. Eine vorgängige Anhörung oder persönliche Rücksprache, wie in anderen Kantonen üblich, fand nicht statt. Die Begründungen basierten teilweise auf Annahmen, die nicht zutrafen. Die 10tägige Beschwerdefrist beim Obergericht lief bis zum 17. April und somit war die Ablehnung der Nachlassstundung des Kantonsgerichts noch nicht rechtskräftig. Trotzdem wurde der Konkurs eröffnet, das Geschäft versiegelt, die Konten und homepage am 7. April bzw. 8. April gesperrt und die Konkurseröffnung am 9. April im Amtsblatt publiziert - ohne dass bis dato Betreibungen vorlagen. Mit dem dadurch entstandenen Schaden und Imageverlust haben der Investor und ich beschlossen die Beschwerde beim Obergericht fallenzulassen. Zu gross war der bereits entstandene Schaden.
Für mich war dies besonders einschneidend, weil der Felsenkeller während 37 Jahren mein berufliches Zuhause gewesen war. Viele Menschen kannten das Geschäft, verbanden Erinnerungen damit und fragten sich, was eigentlich geschehen war.
Ein neues Kapitel
Gerade bei meiner ersten Veranstaltung «vini & pasta» mit der neuen Vinothek Felsenkeller AG am Sonntag 5. Juli 2026 wurde mir bewusst, wie gross die Verbundenheit vieler Menschen mit dem Felsenkeller weiterhin ist. Viele wollten wissen, wie es dazu gekommen war, dass ein Unternehmen nach 37 Jahren plötzlich nicht mehr sichtbar war. Diese Gespräche haben mir gezeigt, dass der Felsenkeller weit mehr war als eine Weinhandlung und ein Restaurant. Er bestand aus Beziehungen, Vertrauen und gemeinsamen Erlebnissen.
Heute schaue ich nach vorne. Das Kapitel Weinrestaurant ist abgeschlossen, aber meine Leidenschaft für Wein ist geblieben.
Mit der Vinothek Felsenkeller AG bzw. dem Onlinehandel sowie Degustationen und Veranstaltungen rund um den Wein beginnt ein neues Kapitel.
Rückblickend waren die vergangenen 37 Jahre geprägt von Herausforderungen, Erfolgen und unzähligen Begegnungen. Ich durfte grossartige Winzer kennenlernen, viele Menschen für besondere Weine begeistern und Freundschaften schliessen, die bis heute bestehen.
Der Name Felsenkeller steht deshalb für mich nicht nur für Wein – sondern vor allem für Menschen.
An dieser Stelle danke ich allen Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden, Geschäftspartnern, Freunden und Wegbegleitern, die mich all die Jahre unterstützt haben.
Der Felsenkeller ist nicht verschwunden. Er lebt weiter – einfach in einer neuen Form.
Liebe Grüsse
Rémy